Verstehen

Wie wirkt tiergestützte Arbeit?

Verstehe die wissenschaftlichen Grundlagen: Warum funktioniert tiergestützte Arbeit? Welche Wirkungen haben Tiere auf Körper, Geist und soziale Interaktionen? Und wo liegen die Grenzen?

Inhaltsverzeichnis

01

Neurobiologische Prozesse: Der direkte Einfluss auf unseren Körper

02

Psychologische Wirkfaktoren: Tiere als Katalysatoren der Psyche

03

Soziale Interaktionen: Tiere als Brückenbauer in Gruppen

Die wissenschaftlichen Fundamente der Mensch-Tier-Bindung

Die tiefgreifende Wirkung tiergestützter Arbeit ist weit mehr als eine anekdotische Beobachtung; sie ist durch eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien auf neurobiologischer, psychologischer und sozialer Ebene umfassend belegt.

Das Verständnis dieser Mechanismen ist entscheidend, um TGI nicht nur intuitiv, sondern fundiert und überzeugend in professionellen Kontexten zu verankern.


Neurobiologische Prozesse: Der direkte Einfluss auf unseren Körper

Wenn Menschen in den Kontakt mit Tieren treten, insbesondere durch physische Interaktion wie Streicheln oder Spielen, werden messbare physiologische Reaktionen ausgelöst.

Eine der prominentesten ist die Ausschüttung von Oxytocin, einem Neurohormon, das für soziale Bindung, Vertrauen und Wohlbefinden eine zentrale Rolle spielt. Diese Freisetzung ist assoziiert mit einer signifikanten Reduktion des Cortisolspiegels, dem primären Stresshormon, was wiederum zu einer nachweisbaren Senkung von Herzfrequenz und Blutdruck führt.

Die Verbesserung der Herzfrequenzvariabilität gilt zudem als ein Indikator für eine erhöhte Stressresilienz und die Fähigkeit des Organismus zur Selbstregulation. Diese körperlichen Veränderungen schaffen eine optimale physiologische Grundlage für Lernprozesse, emotionale Regulation und soziale Öffnung, was den therapeutischen und pädagogischen Rahmen entscheidend unterstützt.

Psychologische Wirkfaktoren: Tiere als Katalysatoren der Psyche

Auf psychologischer Ebene wirken Tiere als nicht-wertende und präsente Interaktionspartner. Ihre Authentizität und die unmittelbare, unverfälschte Reaktion auf menschliche Signale schaffen ein hohes Maß an emotionaler Sicherheit. Für Klient:innen, die in menschlichen Interaktionen Misstrauen oder Angst erfahren haben, bieten Tiere einen sicheren Raum für Beziehungsaufbau und Exploration. Sie dienen als sogenannte „soziale Katalysatoren“, die Kommunikation erleichtern, Vertrauen fördern und die Entwicklung von Selbstwirksamkeit begünstigen.

Das Konzept der Biophilie, die angeborene menschliche Tendenz zur Verbindung mit anderen Lebensformen, erklärt zudem eine intrinsische Attraktion und den beruhigenden Effekt der Tierpräsenz. Diese tiefe, evolutionär verankerte Verbindung kann Ängste reduzieren und eine motivierende Grundlage für die aktive Teilnahme an therapeutischen oder pädagogischen Interventionen bieten.

Soziale Interaktionen: Tiere als Brückenbauer in Gruppen

In Gruppensettings agieren Tiere als natürliche Gesprächsanlässe und Bindeglieder. Sie können Hierarchien aufbrechen und eine entspannte Atmosphäre schaffen, die prosoziales Verhalten, Empathie und Kooperation fördert. Die gemeinsame Konzentration auf das Tier lenkt von individuellen Hemmnissen ab und erleichtert die Interaktion unter den Teilnehmenden. Besonders Kinder profitieren davon, indem sie lernen, Bedürfnisse anderer Lebewesen wahrzunehmen und darauf zu reagieren, was ihre soziale Kompetenz nachhaltig stärkt.


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