Verstehen

Sicherheit und Hygiene in der Praxis

Warum sind Hygiene und Sicherheit so wichtig? Minimiere Risiken durch Infektionsschutz, klare Sicherheitskonzepte und professionelle Umsetzung in der Praxis.

Inhaltsverzeichnis

01

Die Notwendigkeit rigoroser Standards: Schutz für alle Beteiligten

02

Infektionsschutz: Prävention von zoonotischen Übertragungen

03

Sicherheitskonzepte: Risikominimierung und Notfallplanung

04

Die Verantwortung der Mitarbeitenden in der TGI

Die Notwendigkeit rigoroser Standards: Schutz für alle Beteiligten

Die Implementierung umfassender Sicherheits- und Hygienekonzepte ist in der professionellen tiergestützten Intervention nicht verhandelbar, sondern eine absolute Notwendigkeit. Diese Konzepte dienen dem Schutz der Klient:innen, der Fachkräfte und der Tiere selbst. Die Missachtung dieser Standards kann nicht nur gesundheitliche Risiken bergen, sondern auch die ethische Glaubwürdigkeit und die Akzeptanz tiergestützter Angebote in professionellen Einrichtungen nachhaltig schädigen. Fachkräfte müssen sich der Verantwortung bewusst sein, die aus der Interaktion zwischen Mensch und Tier in oft vulnerablen Settings erwächst.

Infektionsschutz: Prävention von zoonotischen Übertragungen

Tiere tragen natürliche Mikroorganismen, und obwohl das Risiko einer Zoonose (Übertragung von Krankheiten vom Tier auf den Menschen) bei gut gemanagten Tieren gering ist, muss es durch strikte Hygienemaßnahmen minimiert werden.

  • Umfassende Tiergesundheit
    Jedes in der TGI eingesetzte Tier muss regelmäßig tierärztlich untersucht, geimpft und entwurmt werden. Eine konsequente Parasitenprophylaxe ist unerlässlich. Die Gesundheitsdokumentation des Tieres sollte stets aktuell und einsehbar sein.
  • Händehygiene als Basismaßnahme
    Die gründliche Händereinigung und -desinfektion (mittels eines geeigneten Desinfektionsmittels) vor und nach jedem Tierkontakt ist die effektivste Einzelmaßnahme zur Infektionsprävention. Klient:innen und Fachkräfte müssen hierin angeleitet und zur Einhaltung motiviert werden.
  • Management offener Wunden
    Sowohl bei Klient:innen als auch beim Tier sollten offene Wunden adäquat versorgt und abgedeckt sein. Bei Wunden oder entzündlichen Hautveränderungen wird der Tierkontakt bis zur Abheilung vermieden.
  • Ausschlusskriterien für den Tiereinsatz
    Tiere mit Anzeichen von Krankheiten (z.B. Durchfall, Husten, Hautveränderungen) oder Klient:innen mit stark eingeschränktem Immunsystem oder schweren Infektionen sollten vom direkten Tierkontakt ausgeschlossen werden. Sensible Bereiche wie Operationssäle oder Intensivstationen sind generell tabu für Tiere.
  • Reinigung und Desinfektion von Materialien
    Alle Materialien, die mit dem Tier in Kontakt kommen (z.B. Decken, Spielzeug, Geschirre), müssen regelmäßig und gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Auch die Räumlichkeiten, in denen TGI stattfindet, erfordern eine spezifische Reinigungsroutine.

Ein schriftlich fixiertes und mit den Hygienebeauftragten der jeweiligen Einrichtung abgestimmtes Hygienekonzept ist unverzichtbar.

Sicherheitskonzepte: Risikominimierung und Notfallplanung

Neben den hygienischen Aspekten müssen potenzielle physische Risiken durch ein fundiertes Sicherheitskonzept antizipiert und minimiert werden.

  • Vorausschauende Risikoanalyse
    Vor Beginn einer Intervention ist eine detaillierte Analyse aller potenziellen Gefahrenquellen durchzuführen. Dies umfasst die Bewertung des Tierverhaltens unter Stress, die Einschätzung des Klient:innenverhaltens (z.B. impulsive Reaktionen, Unberechenbarkeit) sowie die Analyse der räumlichen Gegebenheiten (Fluchtwege für das Tier, Barrierefreiheit, potenzielle Stolperfallen).
  • Klar definierte Verhaltensregeln
    Sowohl für Klient:innen als auch für Begleitpersonen müssen klare und verständliche Regeln für den Umgang mit dem Tier etabliert und kommuniziert werden. Dies beinhaltet Anweisungen zum Streicheln, Füttern oder zur Reaktion auf spezifisches Tierverhalten.
  • Kompetente Tierführung
    Die Fachkraft muss das eingesetzte Tier jederzeit sicher führen und kontrollieren können. Dies setzt ein tiefes Verständnis für die Körpersprache und das Ausdrucksverhalten des Tieres voraus, um Stresssignale frühzeitig zu erkennen und die Situation bei Bedarf umgehend zu steuern oder zu beenden.
  • Notfallplanung und -ausrüstung
    Ein detaillierter Notfallplan, der alle denkbaren Szenarien abdeckt (z.B. Bissverletzungen, Stürze, Tierflucht), ist essenziell. Dieser beinhaltet die Bereithaltung von Erste-Hilfe-Material (für Mensch und Tier), Kontaktdaten für tierärztliche Notfälle und menschliche Rettungsdienste sowie klare Kommunikationswege.
  • Versicherungsschutz
    Ein umfassender Versicherungsschutz, der sowohl die Haftpflicht der Tierhaltung als auch eine Berufshaftpflichtversicherung der Fachkraft abdeckt, ist ein Muss.

Die Verantwortung der Mitarbeitenden in der TGI

Die Verantwortung für die Einhaltung dieser Standards liegt maßgeblich bei der durchführenden Fachkraft. Sie agiert als Schnittstelle zwischen den Bedürfnissen der Klient:innen, den Anforderungen der Einrichtung und dem Wohlbefinden des Tieres. Kontinuierliche Fortbildung, regelmäßige Supervision und die Bereitschaft zur kritischen Selbstreflexion sind daher unerlässlich, um höchste Sicherheits- und Hygienestandards in der Praxis zu gewährleisten und die Professionalität der tiergestützten Arbeit zu untermauern.

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