Verstehen

Einsatzgebiete und Zielgruppen

Schulen, Kliniken, Altenpflege, Therapiezentren – tiergestützte Arbeit findet überall statt. Lerne typische Einsatzbereiche und die Besonderheiten verschiedener Zielgruppen kennen.

Inhaltsverzeichnis

01

Die Vielfalt der TGI-Anwendung: Von bekannt bis innovativ

02

Klassische Einsatzbereiche und etablierte Zielgruppen

03

Erweiterte und weniger bekannte Einsatzfelder

04

Passive und Indirekte TGI: Wirkung ohne direkte Tieranwesenheit

Die Vielfalt der TGI-Anwendung: Von bekannt bis innovativ

Tiergestützte Interventionen finden in einer erstaunlich breiten Palette von Settings Anwendung, die sowohl weit verbreitete Bereiche wie Schulen und Kliniken umfassen als auch innovative Felder erschließen, die oft übersehen werden. Das entscheidende Kriterium ist stets der gezielte Einsatz des Tieres, um spezifische Ziele bei bestimmten Zielgruppen zu erreichen, wobei die Interventionen an deren individuelle Bedürfnisse angepasst werden.

Klassische Einsatzbereiche und etablierte Zielgruppen

Schulen und Kindergärten

Hier steht die Förderung der kindlichen Entwicklung im Fokus. TGI unterstützt Kinder bei der Verbesserung sozialer Kompetenzen, der Steigerung der Lernmotivation und der Reduktion von Verhaltensauffälligkeiten. Der Einsatz von Schulhunden, Lesebegleittieren oder Kleintieren in Klassenzimmern trägt nachweislich zur Verbesserung des Klassenklimas und zur Stärkung der Empathiefähigkeit bei.

Kliniken und Therapiezentren

In medizinischen und psychotherapeutischen Einrichtungen werden Tiere gezielt eingesetzt, um Patient:innen bei der Rehabilitation, der Stressreduktion, der Bewältigung von Traumata und der Förderung der Kommunikation zu unterstützen. Dies betrifft Menschen mit psychischen Erkrankungen, neurologischen Störungen oder körperlichen Beeinträchtigungen.

Altenpflege und Demenzbetreuung

Für ältere Menschen, insbesondere solche mit Demenz, können Tiere eine Brücke zur Erinnerung und zur emotionalen Aktivierung sein. TGI hilft hier, Einsamkeit zu lindern, soziale Interaktionen anzuregen und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern.

Einrichtungen der Behindertenhilfe

In diesem Kontext fördern Tiere die motorische Entwicklung, die sensorische Integration und die emotionale Ausdrucksfähigkeit. Sie bieten oft eine nicht-verbale Kommunikationsmöglichkeit und stärken das Gefühl der Selbstwirksamkeit.

Erweiterte und weniger bekannte Einsatzfelder

TGI beschränkt sich jedoch nicht auf diese etablierten Bereiche. Ihre Flexibilität ermöglicht innovative Anwendungen:

  • Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF)
    Im wirtschaftlichen Umfeld gewinnen tiergestützte Ansätze an Bedeutung. Ein Bürohund kann nachweislich zur Stressreduktion, zur Verbesserung des Betriebsklimas und zur Förderung der Kommunikation unter Mitarbeiter:innen beitragen. Programme zur Achtsamkeit mit Tieren oder tiergestützte Resilienztrainings sind innovative Wege, um Burnout-Prävention und Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu fördern.
  • Justiz und Strafvollzug
    In einigen Ländern werden Tiere bereits zur Unterstützung von Opfern in Gerichtsverfahren (z.B. Begleithunde für Kinder) oder zur Resozialisierung von Inhaftierten eingesetzt, indem sie Verantwortung, Empathie und Struktur vermitteln.
  • Hospizarbeit und Palliativmedizin
    Tiere können am Lebensende Trost spenden, Schmerz lindern und eine beruhigende Präsenz bieten, die das emotionale Wohlbefinden von Patient:innen und ihren Angehörigen unterstützt.
  • Öffentliche Räume und Wartebereiche
    Die passive Präsenz von Tieren, wie beispielsweise Aquarien in Arztpraxen oder freundliche Hunde in Bibliotheken, kann Stress reduzieren, eine angenehmere Atmosphäre schaffen und die soziale Interaktion fördern, ohne dass eine direkte Intervention stattfindet.

Passive und Indirekte TGI: Wirkung ohne direkte Tieranwesenheit

Ein oft unterschätzter, aber hochwirksamer Aspekt der tiergestützten Arbeit ist der passive oder indirekte Einsatz von Tieren. Hierbei ist das Tier selbst nicht physisch anwesend, die positive Wirkung wird jedoch über tierbezogene Materialien, Metaphern oder Bilder erzielt. Dies eröffnet Möglichkeiten, tiergestützte Elemente auch in Umfeldern zu integrieren, in denen der direkte Tiereinsatz aus hygienischen, allergischen oder logistischen Gründen nicht möglich ist.
  • Pädagogische Materialien
    Die Gestaltung von Arbeitsblättern, Lernspielen oder Büchern mit Tiermotiven kann die Aufmerksamkeit und Motivation von Kindern signifikant erhöhen. Ein Rechenbeispiel mit „fünf Hunden und drei Katzen" wird oft als ansprechender empfunden als abstrakte Zahlen. Tiergeschichten können zudem komplexe Lerninhalte oder soziale Botschaften transportieren.
  • Reflexions- und Ausdruckshilfen
    Insbesondere in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen oder auch Erwachsenen, die Schwierigkeiten haben, ihre Gefühle verbal auszudrücken, können Tierbilder oder Metaphern als Brücken dienen. Die Frage „Welches Tier beschreibt am besten, wie du dich gerade fühlst – bist du ein brüllender Löwe, eine schüchterne Maus oder ein starker Bär?" ermöglicht einen niederschwelligen Zugang zu inneren Zuständen. Dies nutzt die universelle Symbolik von Tieren, um nonverbale Ausdrucksformen zu unterstützen.
  • Symbolische und metaphorische Arbeit
    In therapeutischen Kontexten können Tiergeschichten oder die Imagination von Tieren genutzt werden, um Ressourcen zu aktivieren, Ängste zu bearbeiten oder neue Perspektiven zu entwickeln. Das Tier fungiert hier als Projektionsfläche für innere Konflikte und Lösungsstrategien.
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